GESCHICHTEN aus HERVEST
Einmarsch in Hervest 1945.
Einige Tage vor dem Osterfest waren die anrückenden Verbände der Alliierten mit dumpfen Kanonen- Explosionen in Hervest schon zu hören. Nach und nach verschwanden die deutschen Verbände aus dem Dorf. Die Bediensteten der Flak- Stabsstelle 403, die auf dem alten Sportplatz untergebracht war, setzten sich über die Lippe ab. Die Lippebrücke wurde nach dem Rückzug der Deutschen, gesprengt. Ein Soldat der Deutschen Wehrmacht irrte noch durchs Dorf. Er sah, daß am Fahnenmasten vor der Paulusschule ein weißes Tuch gehißte war. Wütend riß er das weiße Tuch herunter, und hastete mit einer Panzerfaust auf den Bunker gegenüber der Paulsschule. Vier Panzer der Amerikaner rollten von der Mühle Hemming aus kommend zum Dorf vor. Nun schoß der Soldat den vorderen Panzer ab und verschwand. Aus den anderen Panzern sprangen Soldaten befestigten Ketten an den getroffenen Panzer und zogen ihn zurück bis zur Halterner Straße. Von dort aus wurde das Dorf nun beschossen. Die ersten Häuser wurden getroffen, einige Scheunen brannten. Die beherzten Bewohner des Dorfes Guste Bücker und Gerhard Tschirpig, die mit anderen Dorfbewohnern im Schutzbunker an der Schule saßen, gingen mit einer weißen Fahne den Amerikanern entgegen. Mit ihren englischen Sprachkenntnissen klärten sie den verhängnisvollen Sachverhalt auf. Denn keiner wollte das Dorf damals noch verteidigen. Nach den Verhandlungen mit den Amerikanern wurde der Beschuß gestoppt. Die amerikanischen Soldaten erlaubten den Bewohnern, die Brände zu löschen. Gründlich wurde das ganze Dorf von den Amerikanern nach deutschen Soldaten durchsucht. Berge von Material, Waffen, und Munition hatten die deutschen Wehrmachtsangehörigen bei uns im Dorf liegen gelassen. Alle Waffen wurden von den Alliierten eingesammelt und abgefahren. Andere brauchbaren Sachen und Materialien, sogar ganze Baracken verschwanden aus dem aufgegebenen deutschen Militärlager am alten Sportplatz. Schon bald danach kehrte wieder ein wenig Ruhe in unser Dorf ein.