GESCHICHTEN aus HERVEST
Unfall vorgetäuscht.
Früher fuhren die Hervester Kinder im Wintern Schlitten von Richters Sandberg. Der Berg lag zwischen der Kleiberstraße und der Friedhofstraße gleich hinter der Paulusschule. Heute sind an dieser Stelle schöne schmucke Häuser gebaut worden. War früher reichlich Schnee gefallen und der Winter hatte sein kaltes Regiment begonnen, versuchten die Kinder zu rodeln. Richters Sandberg eignete sich für alle Akteure gleich gut. Es gab eine sanfte Abfahrtstrecke ohne Hindernisse, die von den Mädchen gerne benutzt wurde. Die Jungen liebten die gefährlicheren Strecken, die aus 6- bis 8 Meter Höhe hinab führten. Dicke Tannenbäumen wurden von den Experten, die auf dem Bauch auf den Schlitten lagen, rasant umfahren. Nicht jeder konnte so gut fahren und stürzte in den Schnee oder fuhr vor einen Baum. Zum Glück ist nie etwas Schlimmes passiert. Die dicken gefütterten Wintersachen schwächten die Stürze der Kinder ab. Auch 1938 war der Hervester Nachwuchs mit den Schlitten auf der Schneepiste übermütig gefahren. Ein Erwachsener, der einen Unfall gesehen hatte, schimpfte die leichtsinnigen Kinder aus. Schlimme Folgen könnten das haben, sagte er noch. Da kam einigen Jungen auf eine, ihrer Meinung nach tolle Idee. Fritz Humberg erinnert sich: Börgers Leo wurde der Kopf mit einem weißen Verband verbunden und mit roter Marmelade beschmiert. Den augenscheinlich schwer am Kopf "Verletzten" legten wir auf einen Schlitten. Nun transportierten wir Jungen den Spielkameraden Leo über Förster Novers Hof zum Elternhaus. Frau Börger, Leo's Mutter, riefen wir. Die Frau war entsetzt und glaubte an eine schlimme Verletzung. Der Sohn wollte die Reaktionen der Mutter beobachten und rutschte vom Schlitten. Wir Jungen mußten alle lachen und der Schwindel war aufgefallen. Die Eltern waren angeschmiert worden. Der vermeintliche Spaß wurde mit einer Tracht Prügel für alle belohnt. nächste Geschichte