GESCHICHTEN aus HERVEST
Schweineschwänzchen
Schweine schlachten war früher in Hervest nicht nur bei dem Bauern, sondern in jeder Familie üblich. In den Wintermonaten war nach dem 2. Weltkrieg der Hausschlachter Heinrich Becker wochenlang von Haus zu Haus gezogen. Heißes Wasser wurde in Waschkesseln erhitzt und zum Abbrühen der geschlachteten Tiere und zum Säubern der Arbeitsgeräte gebraucht. Beim Schlachten wurde die viele Arbeit auf alle Familienmitglieder verteilt. Auch die Kinder wurden für Handreichungen eingespannt. Hing das geschlachtete Schwein an der Leiter, warteten die Besitzer auf den amtlichen Fleischbeschauer. Mit blauen Stempelabrücken auf dem geprüften Tier dokumentierte der Mann die Freigabe zum Verzehr. Der Mann wurde auch als Trichinenbeschauer bezeichnet. Ein Bettuch oder ein Stück Leinen wurde über das Schwein gespannt. Über Nacht sollte das Tier auskühlen damit das Fleisch besser verarbeitet werden konnte. Kühlschränke oder Truhen gab es damals noch nicht in den Häusern. Jetzt kamen die "Spaßvögel" der Dorfjugend, oder die Scharlatane auf den Plan. Sie schlichen durch das dunkle Dorf und schnitten den Tieren die Schwänze ab. Gerade auf das Schweineschwänzchen mußten die Besitzer verzichten, so eine Schweinerei. Keiner hatte die Diebe gesehen. Die großen Jungen kamen sofort in den Verdacht, die Täter zu sein, aber kein Zeuge hatte die Junggesellen bei der schändlichen Tat beobachtet. So kamen sie wieder einmal ungeschoren davon. nächste Geschichte