GESCHICHTEN aus HERVEST
Klimpermännchen
Wenn der Herbst ins Land zog und die Abende länger wurden, standen die jüngeren Hervester Dorfbewohner gerne unter der Straßenbeleuchtung beim Gasthaus Einhaus. Oft spielten die Kinder Verstecken. Beim Schuhmacher Wilhelm Westrich gab es in der Scheune und im kleinen Garten gute Verstecke. In den Häusern des Dorfes kehrte langsam die Abendruhe ein, das Vieh war versorgt und das Abendbrot verzehrt. Am Haus wurden die Fensterläden zugemacht, und man setzte sich auf das Sofa oder in den Sessel zur Ruhe. Für die Eckensteher war es das Startzeichen für eigenartige Aktivitäten. Zwei Jungen schlichen sich im Abenddunkel aus der Gruppe, vor einer geschlossenen Blendlade richteten sie sich auf und klopften mit einem Stock heftig davor. Innen im Zimmer gab es fürchterliche Aufregung. Erschrocken stürzten die Bewohner aus dem Haus. Die Übeltäter waren längst wieder bei den anderen unter der Laterne angelangt. Auf die Fragen: "Habt ihr etwas gesehen", oder: "Wer war das," gab es nur Achselzucken der Halbstarken. Für den nächsten Streich mußten die Aktivisten mehr Vorsicht walten lassen, denn hinter der Haustüre und hinter den Fenstern standen jetzt Wachen. Geduldig warteten die Jungen, bis ein mutiger aus ihren Reihen es wagte, erneut an die Bretter zu klopfen, und schnell zu verschwinden. Nach erneuter Attacke brachen die Halbstarken ihr Spiel, wie sie es nannten, ab. Für die nächsten Tage planten sie ein anderes Haus zu terrorisieren. Eine Schraube wurde an einen Zwirnsfaden geknotet und an eine Holzblendlade mit einer Heftzwecke befestigt. Die Rolle mit dem Garn wurde bis in ein sicheres Versteck ausgerollt. Jetzt zog man den Faden stramm, und mit einem Ruck wurde er losgelassen. Die Schraube polterte gegen die Blendlade. Klack, klack machte es im Zimmer. Der Zwirnsfaden lag nun ganz locker auf der Erde. Die aufgeschreckten Bewohner entdeckten niemanden und hörten auch keinen fortlaufen. Alles war mäuschenstill, wer oder was war das bloß? Als alle wieder ins Haus zurück gegangen waren, ging es wieder klack klack. Zum Donnerwetter, die Haustüre wurde aufgerissen und wilde Flüche in die Nacht gerufen. Mit Lampen wurden die Vorgärten abgesucht, wieder erfolglos. Waren alle Bewohner zurück ins Hause gegangen, zogen die Jungen wieder an ihrer Fernbedienung. Der Schabernack nahm kein Ende. Erst als draußen Posten mit großen Knüppeln aufgestellt wurden, verkrochen sich die Täter lautlos. Denn die Jungen waren sehr an ihrer körperlichen Unversehrtheit interessiert. Bis spät in die Nacht stand der Wächter und wartete vergeblich. Am folgenden Morgen wurde der Zwirnsfaden mit der Schraube gefunden. Oh, wartet mal, Ihr Rabauken, laßt euch nicht erwischen, die Strafe wird fürchterlich sein, hörte man die Leute im Dorf sagen. Die hellhörigen Störenfriede setzten für die folgenden Wochen solche Spielchen ab. Als Ersatz hängten sie an einem Abend alle Gartentörchen aus und lagerten sie übereinander auf dem alten Sportplatz an der Dorfstraße. Am nächsten Tag suchten sich die Besitzer ihr eigenes Tor aus dem großen Stapel heraus. Das Suchen wurde mit Flüchen und Schimpfen auf die schlimmen Halbstarken begleitet. nächste Geschichte